Marginalien XVIII

7. März 2010

Humor

1) Eine subjektive Leistung und Geistesbewegung des Knechts, die an jedwedem ärgerlichen Hindernis des geselligen Welt eine Hinsicht auffindet, die dessen soeben erfundenen Akzeptanzgrad bis zur vergnüglichen Selbstbescherung steigert.

2) Wird gemeinhin nicht an seinem Herrn aufgefunden. Aber da auch gar nicht weiter vermisst, denn siehe unter 1.

Instinktlosigkeit

Ein ganz schlimmer Makel in den Augen von Bestien, die damit das Einzige verloren sehen, das ihnen Führung und Geleit gibt.

Imagination

Bischof Berkeleys Theorie basiert auf dem Glauben, dass alles nur in unserer Vorstellung existiere.

Dass die 35 Millionen Hungertoten pro Jahr nur in der Imagination existieren, ist ja sowieso klar. Andererseits spricht ein solches Datum – ganz ohne eine Überdosis Philosophie – für die unerschütterliche Realität unserer Herzensbildung und der Wirksamkeit des Mitleids.

Was mich zusammenfassend glauben macht, dass das bei weitem Unglaubwürdigste ein Glaube ist.

[ck]

Marginalien XVII

6. März 2010

Humanitäre Intervention

Das Wort „Humanität“ gehört zu den berüchtigtsten, die sich zu allen Beschönigungen des menschlichen Verderbens missbrauchen lassen. Durch vornehmen Klang die Aufmerksamkeit erwecken und doch im Grunde die Hörer in Dunkel und Unwissenheit hüllen.“ (Fichte in „Reden an die deutsche Nation“, Ausgabe 1824, S. 101.)

Und wenn er recht hätte?

Myanmar beispielsweise hat die Amerikaner deswegen nicht ins Land gelassen, weil ihre Hilfeleistung als erstes an Bedingungen geknüpft war.

Übrigens weigert sich auch der Rechtschreibüberprüfungsservice meines Computerprogramms, Myanmar als deutsches Wort zu akzeptieren. Bei Burma oder Birma hat er keinerlei Bedenken.

Der Kolonialismusfuzzi, der.

Schutzverantwortung

Responsibility to Protect“, auch lässig als R2P diskutiert, die Selbstermächtigung, die Welt der Angeführten in Protektorate durchzusortieren, oder auch in die fürsorgliche Belagerung der Vorratsdatenspeicherung.

Schluss aus diesen paar Daten:

Auf Gott können wir bloß vertrauen, Sicherheit jedoch gibt es nur in den Armen des Suffs.

Und weil das so ist, liebe ich euch alle. Aber ihr verdient es, gewaltig in den Arsch getreten zu werden.

Humanitas

Die edelsten Tugenden, als da sind: Hingabe, Selbstverleugnung, entsagende Selbstpreisgabe in der Loyalität an die Götter und ihre irdischen Sachwalter schaffen von je her unvergleichlich gewaltigere Kadaverfelder des gemetzelten Menschentiers, als ein noch so begabter Mörder hinbekäme.

Von den anderen Tieren ganz zu schweigen.

[ck]

Realismus

5. Februar 2010

Die unvernünftige

Lächerlichkeit der Utopie

verhindert

im Zeitalter der Katastrophen

erfolgreich

jeglichen Bau

einer Arche.

Sicherheiterkeit

5. Februar 2010

– Was haben Ted Kennedy, Nelson Mandela und Cat Stevens gemeinsam?
– ….?
– Sie stehen mit einer halben Million anderer Terrorismusverdächtiger auf Amerikas Flugverbotsliste.

Sinn

5. Februar 2010

macht endgültig enttäuschungsresistent.
Ausgerechnet im gesellschaftlichen Raum, wo die Dinge sich hart zu stoßen pflegen, weil die eingerichteten Gegensätze gar nicht daran denken, Bruderschaft miteinander zu bechern, soll ein passend eingerichteter Bezugsrahmen die eingehandelten blauen Flecke zur body-art uminterpretieren und auch noch vergessen machen, dass man gerade ein Meisterstück des Selbstbetrugs hingekriegt hat.
Wer nicht mehr ent-täuscht werden kann, hat sich entschlossen endgültig jeder Täuschung zu erliegen.

Weltbild, offen

5. Februar 2010

Es soll offene Weltbilder(Hui!) geben und geschlossene (Pfui!).

Beim Besprechen von Sachverhalten spielt das aber eine ebenso unwichtige Rolle wie die erboste Interjektion dessen mit dem geschlossenen über den mit dem „ja so was von offenen Arsch!“

Vorbilder

5. Februar 2010

Machen ihren Abziehbildern was vor.

Liberté

5. Februar 2010

Die Anbeter der Freiheit kann man daran erkennen, dass sie – ihr gehorsam – im Staub auf ihren Knien liegen, statt den durchaus bekannten Lebenswandel dieser Diva zu studieren.

Humanitäterei

5. Februar 2010

Wenn Konkurrenz das Gesetz ist, nach dem die Leute antreten gemacht werden, dann ist eine selbstlose Tat der Anfang vom Untergang.
Dass sie noch nicht untergegangen ist, lässt die weltweite Wohltäterei in ihrem Wesen nicht unberührt.

„Verschwinden des Menschen“

5. Februar 2010

Eine kulturkritische Floskel. Die schon in Saul Bellows frühem Roman »Herzog« verdeutlichte, dass man kein allzu feines Gespür für die Bruchstellen der amerikanischen Gesellschaft zu haben braucht.

 »Das Leben eines jeden Staatsbürgers wird zum Geschäftsbetrieb«, wettert die fiktive Menschfigur Herzog in einem Brief an den US-Präsidenten gegen den American Way of Life – und verlangt eine Umbesinnung: »Das menschliche Leben ist kein Geschäft.«

Ooooh doch!

Aber man kann das natürlich mal lässig umdénken, oder elegant úmdenken.

Auch für die Intellektuellen gilt: 

Das größte Glück für die Herrschenden ist die Dummheit der Beherrschten.

Jetzt rechnen sich die Beherrschten schon selber vor, wie viel an Almosen ihrer Hilflosigkeit zusteht. Zerbrechen sich den Kopf ihres Herrn in Statistiken und Gegengutachten, als ob da überhaupt nur einer zuhörte, wenn die Kostenfaktoren sich als Kostenfaktoren aufführen.